Ein klimaneutrales Containerhaus als Impuls für Hamburgs Süden

Artikelreihe in der Immobilien Zeitung zur „Stadt im Wandel“ – Text zu Band 1

Titelbild Stadt im Wandel 1 IBA DOCK

Fünf vorbildliche Projekte für eine Energiewende, die finanzierbar ist, zeigt der Stadtwandel Verlag in der Publikationsreihe „Stadt im Wandel“. In der zweiten Folge präsentiert Verleger Daniel Fuhrhop das „IBA DOCK“ und die Internationale Bauausstellung Hamburg.

Wenn sich eine Organisation daran macht, einen ganzen Stadtteil mit 50.000 Einwohnern zum klimaschonenden Vorzeigequartier umzubauen, dann muss ihr eigener Hauptsitz natürlich auch effizient mit Energie umgehen. Das IBA DOCK der Internationalen Bauausstellung Hamburg erfüllt diesen Anspruch nicht nur, sondern es soll sogar unter dem Strich klimaneutral sein, also genausoviel Energie verbrauchen, wie es selbst gewinnt. Dabei kommt ihm zugute, dass es eigentlich gar kein Haus ist: Als schwimmendes Containerhaus stapelte Architekt Han Slawik auf drei Geschossen Container, wie sie für die Industrie benutzt werden, auf einem gut 1.000 Quadratmeter großen Ponton aus Beton. Er ist im Müggenburger Zollhafen angedockt, nur wenige hundert Meter südlich des Stadtzentrums. Ohne störenden Schatten gewinnt dieses Containerhaus Energie aus der Sonne durch solarthermische Kollektoren auf dem Dach, die insgesamt 34 Quadratmeter umfassen. Daneben befinden sich 103 Quadratmeter  Photovoltaik-Kollektoren, die Strom erzeugen. Dieser Strom speist die Energiezentrale des Ensembles, das die Firma Immosolar konzipierte. Die Zentrale wandelt je nach Bedarf warmes und kaltes Wasser ineinander um und arbeitet im Prinzip ähnlich wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. Zusätzlich holt sich das schwimmende Dock Energie aus dem Wasser. Dabei nutzt es den Temperaturunterschied zur Elbe: In der Betonsohle des Pontons zirkuliert Wasser, vergleichbar mit einer Fußbodenheizung, aber wiederum umgekehrt. Selbst wenige Grad Wärmedifferenz können über einen Umwandler genutzt werden, um die Büros zu heizen. Wasserspeicher halten 3.650 Liter warmes und 500 Liter kaltes Wasser verfügbar. Je nach Tages- und Jahreszeit werden benötigte oder überschüssige Energie vom oder zum Festland gebracht, doch in der Gesamtbilanz soll sich das ausgleichen und das gesamte IBA DOCK klimaneutral sein. Solche Energieeffizienz wünschen sich die Macher der Internationalen Bauausstellung Hamburg für das gesamte Stadtviertel Wilhelmsburg, das sie bis 2013 umbauen. Der Stadtteil liegt im oft vernachlässigten Süden Hamburgs, als 35 Quadratkilometer große Insel zwischen Norder- und Süderelbe. Von den 50.000 Einwohnern haben über 10% keine Arbeit. Andererseits liegt Wilhelmsburg nur einen Sprung von der HafenCity über die Elbe, und mit der S-Bahn nur zwei Stationen vom Hauptbahnhof. Diese Lage soll Bewohner und Investoren locken, und dafür versteht sich die IBA als Katalysator. In 50 Projekten baut sie mit vielen Partnern energieeffizient neu oder saniert Altbauten und stößt damit Investitionen von etwa 650 Millionen Euro an. Inzwischen entdeckt die Immobilienbranche Wilhelmsburg und die Harburger Schlossinsel im Süden – Hochtief ist ebenso als Investor vertreten wie Engel & Völkers.

Erschienen am 21.7.2011 in der Immobilien Zeitung

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