Mit Luftdruck zu mehr Energieeffizienz im Büroturm

Artikelreihe in der Immobilien Zeitung zur „Stadt im Wandel“ – Text zu Band 3

SiW 03 klein

Als eines von fünf vorbildlichen Projekten für eine finanzierbare Energiewende zeigt der Stadtwandel Verlag in der Publikationsreihe „Stadt im Wandel“ die Frankfurter „Westarkade“ der KfW. Verleger Daniel Fuhrhop schildert im vierten Teil, mit welchen Innovationen der Energieverbrauch halbiert werden soll.

Wenn die KfW im Auftrag des Bundes energieeffizientes Bauen fördert, achtet sie darauf, dass die Bauherren die Verbrauchsziele einhalten. Wenn die KfW aber selbst zum Bauherren wird, kann sie sich kritischer Beobachtung gewiss sein, was die ökologischen Qualitäten ihrer Gebäude angeht. Wie sehr diese Ausgangslage die hausinternen Planer motivierte, spürt man bei der KfW Westarkade, einem 15 Geschosse und 56 Meter hohen Büroturm in Frankfurt am Main. Er erweitert den Hauptsitz der Bank und schließt im Erdgeschoss und dem ersten Tiefgeschoss direkt an diesen an. Üblicherweise liegt der Verbrauch von Bürohochhäusern bei 200 kWh pro Jahr und Quadratmeter oder darüber. Das Ziel war nun, diesen Wert bei der KfW Westarkade auf unter 100 kWh/qm/a zu senken. Um das zu schaffen, arbeitete die Bank mit den anerkannten Energieberatern von Transsolar zusammen, mit dem Tragwerksplaner Werner Sobek, und mit den Architekten Sauerbruch Hutton, die mit ihrem Entwurf einen Wettbewerb gewannen. Sie sind bekannt für innovative Bauten mit niedrigem Energieverbrauch, etwa das Umweltbundesamt in Dessau oder das GSW-Hochhaus in Berlin. Anders als dort und anders als bei vielen Bürohochhäusern entwickelten die Planer bei der KfW Westarkade jedoch keine senkrecht luftdurchlässige Doppelglasfassade, in der ein Schornsteineffekt für den nötigen Luftzug sorgt, um warme oder kalte Luft zu lenken. Stattdessen entstand hier eine neuartige Druckringfassade: Sie arbeitet Geschoss für Geschoss mit dem Luftdruck, der vor allem im zehnten bis fünfzehnten Stock beträchtlich sein kann. Durch Lamellen wird nun je nach Tages- und Jahreszeit sowie je nach Temperatur mehr oder weniger viel Luft und Wärme zwischen die beiden Fassadenschichten gelassen, um den Bürotum herum und in die Räume hineingeführt. Dadurch werden die Büros natürlich belüftet. Die Abluft wird gesammelt, um ihre Wärme erneut zu nutzen. Zusätzlich saugt das Klimasystem aus dem benachbarten Palmengarten frische Luft, die über einen Erdkanal vortemperiert wird. Wärme erhält das Haus obendrein aus der Abluft der Rechenzentren des KfW-Hauptsitzes. Als Speicher für Wärme oder Kühle, je nach Jahreszeit, dienen die Betondecken des Büroturms. Insgesamt entwickelten die Planer ein komplexes System, mit dem die Büros für insgesamt 700 Mitarbeiter geheizt, gekühlt und gelüftet werden. Etwa 96,5 Millionen Euro investierte die KfW in ihr eigenes Vorzeigeprojekt, das 38.000 Quadratmeter Nutzfläche bietet. Wer selber derart viel Wert auf Energieeffizienz legt, kann dies guten Gewissens auch von anderen verlangen.

Erschienen am 4.8.2011 in der Immobilien Zeitung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.