Das eine Ende vom Knochen

Der Leerstand in der Fußgängerzone jenseits des Lappans nimmt zu. Purer Zufall oder erste Folgen des ECE-Centers am anderen Rand der Innenstadt?

Gastbeitrag im „Oldenburger Lokalteil“

Es ist immer schwierig zu beweisen, dass die Konkurrenz eines neuen Shopping-Centers dem Stadtzentrum schadet, obwohl das unvermeidbar ist: Kein Center bringt neues Geld mit, sondern was dort ausgegeben wird, fehlt an anderen Orten. Aber an welchen? Welche Läden schließen, wenn im Shopping-Center 90 neue Geschäfte öffnen? In Oldenburg sehen wir nun in der Heiligengeiststraße, welche Folgen die „Schlosshöfe“ von ECE haben.
Meist behaupten die Centermacher, Leerstand andernorts sei purer Zufall und habe nichts mit ihnen zu tun. Doch gilt unter Fachleuten zumindest als sicher, dass ein neues Shopping-Center den Schwerpunkt einer Innenstadt verändert: Die bestbesuchte Handelsgegend – die sogenannte 1A-Lage – verlagert sich zum Center hin, während sie sich an der dem Center entgegengesetzten Lage verkürzt, wo sich das Niveau der Läden senkt, wo Geschäfte pleite gehen und Ladenlokale leerstehen. Genau das geschieht derzeit an der Heiligengeiststraße rund ums CCO so gehäuft, dass man wohl kaum noch von Zufall sprechen kann.
Diese Entwicklung ist auch ein Gegenbeweis zur sogenannten „Knochentheorie“: Manche Befürworter des ECE-Centers behaupteten, die gesamte Oldenburger Innenstadt erhalte lediglich einen zusätzlichen Schwerpunkt, so dass sich nun zwischen dem vorhandenen Kraftpunkt im Norden (CCO mit Saturn) und dem neuen im Süden (ECE mit Kaufhof) das Bild eines Knochens ergebe – zwischen den beiden dicken Enden dieses Knochens laufen die Kunden hin und her entlang vieler kleiner Läden, so die Theorie.
Zwar stimmt dieses Bild, wenn man einen kleineren Abschnitt einer Handelsstraße betrachtet, also zum Beispiel die Oldenburger City mit Leffers als nördlichem und Kaufhof als südlichem Kundenmagneten – das ist gerade noch soviel, wie man bei einem Einkaufsbummel gern hin- und hergeht. Auch in einem Shopping-Center für sich betrachtet passt die Theorie, weil man etwa bei den Schlosshöfen vom Parkplatz und REWE am einen Ende zum Kaufhof und zurück geht. Doch die Gesamtlänge der Einkaufsrunde übersteigt meist nicht 600 bis 800 Meter, dann sind das Portemonnaie oder die Geduld der Einkäufer erschöpft, so dass die Übertragung der Knochentheorie auf ein gesamtes Stadtzentrum zuzüglich Shopping-Center nicht funktioniert.
Und weil die Oldenburger nun nach Süden hin ihren Einkaufsbummel zu den ECE-Schlosshöfen verlängern können, lassen viele den nördlichen Abstecher zur Heiligengeiststraße weg. Gehen wir dort die Läden entlang vom Lappan aus stadtauswärts, so zeigt sich ein trauriges Szenario.

Auf dem Schaufenster wird noch das 65-jährige Jubiläum beworben, doch nun steht das Damenmode-Geschäft Beheim vor dem Aus.

Beheim schließender Einzelhändler

Wenige Schritte von Beheim entfernt hat Peter Schütte bereits zugemacht. Die neue Nutzung mit „Outlet-Verkauf“ sieht nicht so aus, als ob sie einen positiven Beitrag zum Niveau der Straße leistet.

Händler nach Schütte

An den Optiker Bodenstab erinnert nur noch sein Schriftzug über dem leeren Geschäft.

Leerstand statt Optiker Bodenstab

Der Leerstand im CCO in den kleinen Ladenlokalen zwischen Saturn und Spiele Max hat sicher auch mit schlechtem Management zu tun, doch es dürfte derzeit auch schwerfallen, hier Läden zu vermieten.

Leerstand im CCO Oldenburg

Einige Meter entfernt vom CCO ein weiteres leerstehendes Ladenlokal. Alles Zufall? Wohl kaum.

Leerstand Heiligengeiststraße Oldenburg

14. November 2011, Online-Magazin „Oldenburger Lokalteil“ (dort noch ein par mehr Bilder)

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