„Verbietet das Bauen“ auf der Immobilienmesse

Nachfolgend ein Beitrag von der Expo Real 2013, kurz vor dem Start des Blogs „Verbietet das Bauen“. Von der Expo Real 2014 gibt es hier einige Centerbilder. Zum Thema Immobilien auch ein Beitrag von Ende 2014 zu den Luxemburg Leaks.

Etwas erstaunt schaute Gabriele Stegers, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Hochtief Projektentwicklung, als ich mich Ihr auf der Immobilienmesse Expo Real in München als Vertreter des Blogs „Verbietet das Bauen“ vorstellte. Da hätten wir wohl eher nichts gemeinsam, meinte sie. Doch auf Nachfrage stellte sich heraus, dass bei diesem Unternehmen durchaus Umsatz mit dem Umbau von bestehenden Häusern gemacht wird, es also dort nicht nur um Neubau geht. Wie weit die Gemeinsamkeit reicht, müsste ein zukünftiges Gespräch zeigen – aber der erste Kontakt ist geknüpft, und dazu dient eine Messe.

Messeticket vor Ort

„Verbietet das Bauen“ als Pressevertreter auf der Expo Real 2013.

Wegbereiter bei diesem Kennenlernen war Roland Stimpel, Chefredakteur des Deutschen Architektenblattes, der sich in einem Gespräch ebenfalls nicht der Forderung anschloß, das Bauen zu verbieten. Auch mit ihm ist das letzte Wort noch nicht gesprochen; ebenso mit anderen auf der Messe getroffenen Personen, darunter Thomas Porten von der Immobilien Zeitung und der Architekt Muck Petzet. Aber genug der Namen, es seien von den Gesprächen in München zwei Themen herausgegriffen: Warum gebaut wird, und wo das Geld für die Beschäftigung mit solchen Themen im Blog herkommt.

Warum wird gebaut?
Den generellen Gründen für das Bauen, zu denen häufig eher Lobbyismus und Einzelinteressen zählen als ernsthafter Bedarf, widmet sich der Startartikel zum Bauverbot-Blog, der am 15.10. online geht. Neben diesen Überlegungen gibt es aber einige Projekte, die besonders absurd erscheinen (und nach einem Rundgang durch die Hallen der Expo Real Immobilienmesse ist man versucht, von sehr vielen Projekten zu sprechen). So sollte man meinen, dass zumindest in denjenigen Gegenden nicht neu gebaut werden dürfte, aus denen die Menschen wegziehen. Zu diesen schrumpfenden Städten gehörte in den letzten Jahren zu meinem Bedauern auch meine Heimatstadt Wuppertal, deren Einwohnerzahl von 423.000 vor fünfzig Jahren auf heute unter 350.000 gesunken ist. Dass darum wenigstens hier genug gebaut sein müsste, dieser Ansicht widersprach jedoch heftig Rolf Volmerig, Vorstand der Wirtschaftsförderung Wuppertal an seinem Messestand: „Wir lieben Neubau!“ Es ist einer der tragischen Gründe für die schier endlose Bauwut, dass auch in den schwächelnden Städten die Lösung vieler Probleme im Neubau gesucht wird.
Den Messestand eines Ortes besuchte ich, der wie ein Synonym für „Greenwashing“ erscheint, für grün angemalte Bauwut: Pfaffenhofen an der Ilm, rund 50 Kilometer nördlich von München. Dort entsteht allen Ernstes ein sogenanntes ecoquartier für Pendler. Wie bitte? Energieeffiziente Neubauten sollen wieder gutmachen, dass deren Bewohner täglich klimaschädigend nach München pendeln? Zumindest wirbt der Entwickler mit der Nähe zu München, und der Ort Pfaffenhofen verspricht, die Vorteile von Stadt und Land zu vereinen. Zugegeben, es war nur ein kurzes Gespräch mit Verena Schlegel von der PR-Agentur produqtiv, die die Kommune in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, und sie hatte einige Gegenargumente parat – so bemühe sich Pfaffenhofen seit Jahren um nachhaltige Entwicklung, reaktiviere innerstädtische Flächen, und im ecoquartier des privaten Entwicklers entstünden sowohl Wohnungen als auch Gewerbebauten, so dass vielleicht doch einige vor Ort wohnen und (!) arbeiten, anstatt nach München zu pendeln. Dennoch wirkt diese Boomregion, die vom Ansturm auf München profitiert, wie der Gegenpol zum oben genannten Beispiel Wuppertal – ob Schrumpfstadt oder Boomtown, gebaut wird derzeit überall.

Woher kommt das Geld für den Blog „Verbietet das Bauen“?
Mehrere Gesprächspartner auf der Immobilienmesse, denen ich vom Blog zum Bauverbot erzählte und mit ihnen über die Inhalte diskutieren wollte, fragten erstmal nach dem Geld – wie sich denn der Blog finanziere? Er bringe doch sicher kein Geld? Wegen ihrer Häufigkeit hier nun die beiden meistgestellten Fragen zum Thema Geld.
– 1. Frage: Haben Sie durch den Verkauf Ihres Architekturverlags ausgesorgt und können sich den Blog als Hobby leisten?
– Antwort: Zweimal Nein. Für ein Leben als Rentier hätten beim Kaufpreis eher zwei Nullen als eine mehr erscheinen müssen. Aber der Verkauf ermutigte mich, den Blog zu starten und mich nicht mehr in erster Linie ums Geldeintreiben zu kümmern, wie das als Unternehmer der Fall war, sondern um Inhalte, um den „Stadtwandel in Zeiten des Klimawandels“. Ich folge den Inhalten, möge das Geld folgen.
– 2. Frage: Bringt der Blog Geld?
– Antwort: Ich weiß es nicht. Realistischer scheint mir, dass Aktivitäten etwas einbringen, die sich drumherum entwickeln, also Vorträge und Artikel, oder eine gelegentliche Beratung aus meiner verlegerischen Erfahrung heraus. Andererseits erleben wir derzeit eine Umwälzung unserer Medienwelt weg von den klassischen Printmedien hin zu sozialen Netzwerken und Online-Medien, bei der sich auch die Finanzierungsformen verändern. Bei manchen neuen Medien ist es bereits sehr verbreitet, die Arbeit der Kreativen zu honorieren, so wird bei Podcasts viel „geflattert“, also Kleinstbeträge über das Portal Flattr verteilt. Bei Blogs mit einem Medienmix von Text, Hörstücken/Podcasts und Filmen wie bei „Verbietet das Bauen“ oder in geringerem Umfang bei dieser persönlichen Webseite gibt es bislang scheinbar nur bescheidene Erfolge, die direkte Honorierung der damit verbundenen Arbeit zu erreichen, und häufig wird an gegebener Stelle von der Kaffeekasse gesprochen, die damit gefüllt wird.
Ich kann derzeit lediglich versprechen, zukünftig an dieser Stelle über die Entwicklung zu berichten – über meine Tätigkeit rund um den Blog und den Stadtwandel ebenso wie über das, was per Überweisung, PayPal und Flattr reinkommt. Wer nachträglich den Messebesuch und jetzt den Blogstart unterstützen möchte, der kann selbstverständlich gern die Kaffeekasse oder – als Oldenburger passender – die Teekasse füllen. Vielen Dank!

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