Mittelstand, Bauernhaus und Rave

Zwar verstehe ich meine Tätigkeit zum Stadtwandel immer schon als breit angelegt, so dass verschiedene Fachwelten berührt werden, die sonst oft nebeneinander her leben: Architektur, Immobilien, Stadtplanung und Klimaschutz, dazu gelegentlich Stadtgeschichte und Wachstumskritik / Postwachstums-Debatte. Doch in den letzten Tagen ergab sich aus diesen Bezügen eine so bunte Mischung, dass ich selbst ein wenig schmunzeln muss.

Am Freitag war ich Gast im Redaktionsgespräch bei markt intern, ein Verlag, der sich dem Mittelstand widmet. Als Freund des inhabergeführten Einzelhandels steht der Verlag kritisch gegenüber Millionenprojekten wie Shopping-Centern, die internationalen Investoren und Filialisten dienen, während der lokale Handel leidet und dann Läden leerstehen. In seinem Ambiente und seiner Lebenswelt trennen diesen Verlag des Mittelstands sicher Welten von der Hausbesetzerszene in Frankfurt am Main. Und doch beschäftigt diese sich ebenfalls mit Leerstand, meist von Wohnungen, aber im Sinne lebendiger Stadtviertel sicher auch von Läden. Und so erreichte mich der nette Hinweis von David Grünewald auf den Rave gegen Leerstand. Mittendrin aber die Begegnung mit der IG Bauernhaus, die sich ebenfalls um Leerstand und Abriss sorgen und ebenfalls für lebendige Orte streiten, wenn auch bei ihnen eher um lebendige Kulturlandschaften im ländlichen Raum. Morgen dann fahre ich mal wieder in die Steigerung des Städtischen, in die Großsiedlung Märkisches Viertel in Berlin, die ihr 50. Jubiläum feiert.

Das hängt natürlich alles irgendwie zusammen, und ich hoffe, die Nutzer des Blogs „Verbietet das Bauen“ können es nachempfinden. Vielleicht kann man den Zusammenhang jenseits von Fachbegriffen mit einfachen Worten beschreiben: Ihnen allen, der Wohnungsbaugesellschaft ebenso wie den Bauernhaus-Freunden, dem Mittelstands-Verlag genauso wie den Hausbesetzern, geht es um einen behutsamen Stadtwandel, der unsere bestehenden Häuser, Dörfer, Stadtviertel und Städte respektiert und danach strebt, sie besser zu machen, anstatt sie aus dem Weg zu räumen zugunsten von neu gebauten Einkaufswelten, Bürotürmen und Wohnsiedlungen.

Unterstützung bei dem Anliegen, all das zusammenzubringen, ist gern gesehen.

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