Jurij Andruchowitsch über den Ukraine-Krieg

Einladungskarte Hannah-Arendt-Preis

Bremen, bei der Verleihung des Hannah-Arendt-Preises für politisches Denken: Der ukrainische Schriftsteller und Übersetzer Jurij Andruchowitsch spricht über sein Land und wie es ihm heute geht. Es gibt keine Ukraine-Krise, sagt er, sondern einen Ukraine-Krieg: Russische Soldaten führen ihn mit russischen Waffen und russischem Geld. Der Krieg ist nur nie erklärt worden, die Abzeichen der Armee werden halbherzig verdeckt. Doch es ist ein schmutziger Krieg, in dem tausende Menschen starben, und in dem die Separatisten – oder Terroristen – mit russischer Unterstützung Land besetzt halten und Menschen entführen. Hunderte ukrainische Staatsbürger befinden sich in Gefangenschaft, berichtet Andruchowitsch, und das bedeutet nicht unbedingt in regulären Gefängnissen, sondern in Kellern von Behörden, wo viele gefoltert werden. Nicht freiwillig wurde Jurij Andruchowitsch zu einer Art Botschafter der Ukraine, sondern das korrupte Janukowitsch-Regime wollte auch er beseitigen, und die Ereignisse des Euromaidan rissen ihn mit. Heute nun reist Andruchowitsch viel durch Europe und speziell durch Deutschland, um über die Vorgänge im Osten unseres Kontinents zu berichten. Gerade in Deutschland bemühen sich viele um Ausgewogenheit, so sagt er, und suchen Schuld gern auf beiden Seiten – es könne doch nicht sein, so hört er oft, dass es Schwarz und Weiß gebe. Eins ist sicher, so antwortet er dann: Die Ukraine ist nicht in Russland einmarschiert.

Zugegeben kein Stadtwandel-Thema, wenn man von meinem Besuch in Czernowitz absieht, der aber eine Verbundenheit zur Ukraine geschaffen hat und Kontakte wie den zum Leiter des Jüdischen Museums der Bukowina, der vor einigen Monaten einen Hilferuf sendete.

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