Am Telefon: Center-Gegner und Bauernhaus-Freunde

Screen shots Jenapolis Bauernhaus

Am Montag klingelte es am Telefon und Gegner eines Shopping-Centers aus Jena meldeten sich, vernetzt unter anderem auf der Online-Plattform Jenapolis. Der Eichplatz im Herzen der Stadt soll mit einem Shopping-Center bebaut werden. Rund 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche würden rund 30 Millionen Euro jedes Jahr von anderen Läden wegnehmen – wenn sich nicht die Gegner der Bürgerinitiative mein Eichplatz durchsetzen.

Am Dienstag dann ein Anruf, bei dem es anfangs um ein ganz anderes Thema ging: Die IG Bauernhaus mit 6.000 Mitgliedern kümmert sich um das historische Erbe, das mit den alten Häusern verbunden ist. Dabei geht es auch um den Erhalt der Kulturlandschaft, die Häuser und Natur bilden. Und weil Altbauten den Neubau-Fetischisten immer wieder im Weg stehen, landeten wir dann plötzlich erneut beim Kampf gegen ein Shopping-Center: In Zittau sollen für ein „Fachmarktzentrum“ gleich 13 alte Häuser abgerissen werden. Wenn sich nicht auch hier die Bürger wehren, wie in der Bürgerinitiative. Sie haben sich mit anderen Centergegnern vernetzt – auch auf Facebook – die in Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda gegen Center kämpfen.

Nicht am Telefon, sondern per E-Mail wurde ich am Donnerstag auf ein neu gestartetes Online-Magazin rund um Architektur und Bauen von frei04 Publizistik aufmerksam. Und im Feed von urbanophil stieß ich auf das Nospolis-Symposium in Wuppertal zu den Commons, gemeinschaftlich genutzten Gütern. Dort spricht unter anderem die Buchautorin Silke Helfrich, die den commonsblog betreibt – und die in Jena lebt und ein Profil bei Jenapolis vorweisen kann.

Ein Gedanke zu „Am Telefon: Center-Gegner und Bauernhaus-Freunde

  1. Peter DORN

    Reklame-Riedel von der Böhmischen Straße in Zittau sagte, dass er schon viele Autos mit seiner Werbung für die Oberlausitz gestaltet habe, also Umgebindehaus, Hochwald, Oberlausitzfahnen und: „Oberlausitz – Kleinod in Sachsen“. Die fahren dann durch Deutschland und Europa und die anderen wundern sich, dass die Reisenden nicht wie in Leipzig sprechen, z.B.: „Gomm, Garli, gehmer gecheln!“… Zusammen mit der heimischen Architektur ist es etwas Besonderes, wenn bei uns noch jemand Dialekt spricht und versteht. Freilich sind das zwar wichtige Gegebenheiten, aber in Zittau nicht entscheidend. Da muss nicht jeder wissen, was ein Noamitchbraatl ist, aber jeder in der Region muss wissen, was Architekt Walter Brune schon 2006 schrieb: „90 große Center sind allein in Deutschland zur Zeit in Planung… Wenn diese…tatsächlich verwirklicht werden, wird es zukünftig hunderte vernagelter Schaufenster in den betroffenen Städten geben… Es wird keine Chance bestehen, je wieder einen Nachfolgemieter anzusiedeln. Unsere Städte erhalten dadurch völlig andere Gesichter; leider keine besseren. Auch der Werteverfall der Immobilien an diesen Straßen wird unvorstellbare Ausmaße annehmen. Mancher Hausbesitzer, welcher seine Altersrente durch Mieteinnahmen gesichert sah, wird enttäuscht mit dem Schwund des wichtigsten Mieters im Erdgeschoss leben müssen. Angesichts dieses Wertverfalls werden viele Banken ihre Hypotheken zurückfordern oder die Gebäude zu einem Dumpingpreis versteigern. Insolvenzwellen werden die Städte heimsuchen… Die Unvernunft der Politiker und das rücksichtslose Gewinnstreben vieler Investoren kennt keine Grenzen. Es werden hoch bezahlte Gutachter mobilisiert, um die Folgeprobleme zu bagatellisieren. Dass die Errichtung immer neuer Shoppingcenter sinnvoll und nötig ist, konnte bisher kein bezahlter Gutachter beweisen. Behauptungen sind hier die Grundlage falschen Handelns. Macht es Sinn, dass hunderte oder tausende Einzelhandeltreibende in den gewachsenen Einkaufsstraßen ihre Existenz verlieren, damit jeweils ein einzelner Investor ein Groß-Shopping-Center betreiben kann…? Einige Gutachter machen die Politiker gar Glauben, dass ihre Stadt die Einzige sei, die unter dem Einzelhandelsumsatzschwund leide und reden ihnen ein, den angeblich von Nachbarstädten geraubten Einzelhandelsumsatz mit Hilfe von großen Shopping-Centern wieder zurückzuholen. Wenn alle Städte den gleichen Gedanken hätten, von wo sollte denn da etwas zurückgeholt werden? Nein, es geschieht hier ein nicht wieder gutzumachender Zerstörungsprozess der Innenstädte, welche nicht nur Heimat vieler Menschen, sondern vor allem Zentren unsere Kultur sind. Dies geht einher mit der Verarmung und Verödung, wie es uns durch viele amerikanische Großstädte bereits vorgemacht worden ist… Investoren, welche euphorisch erklären, sie würden mit ihren Projekten die Innenstädte beleben wollen, sind nichts anderes als Pharisäer, die in Wirklichkeit genau das Gegenteil des Gesagten verursachen, und dies wissentlich! Um die Gewinne ihrer Konzerne immer größer anwachsen zu lassen werden aus gut belebten Straßen noch lebensfähige Einzelhandelsgeschäfte oder deren Umsätze skrupellos in die neuen großen Center abgezogen und damit diese zuvor attraktiven Straßen der Verwahrlosung preisgegeben… Größtmögliche Marktanteile zu erobern und anderen zuvorzukommen, ist ihre einzige Religion; Ethik ein Fremdwort. Mit großem Geschick werden Politiker, die auf diesem Gebiet Laien sind, mit vielen Versprechungen und ohne Hinweis auf die schlimmen Konsequenzen zum Mitmachen überedet. Es gibt keine Marketing-Tricks, die nicht zur Anwendung kommen, um ihr Gewinnstreben zu steigern… Wenn Großinvestoren wie ECE mit ihren Großflächenzentren weiterhin über bislang von der Shopping-Center-Invasion verschont gebliebene deutsche Städte herfallen, wird sich die Städtekultur in unserem Land komplett verändern: wahrlich nicht zum Besseren. Dies hat nichts mit ökonomisch erfolgreicher und gesellschaftlich verantwortungsbewusster Stadtplanungspolitik zu tun, sondern gehört eher in die Kategorie Raubrittertum.“
    Architekt Walter Brune hat seinerzeit allen Städten in Deutschland und Österreich mit mindestens 50 000 Einwohnern das von ihm mit herausgegebene Buch „Angriff auf die City“ für deren Bibliothek geschenkt. Seinerzeit war gar nicht abzusehen, dass hinter den sieben Bergen in der schönen Oberlausitz mit ihrer weltweit einmaligen Umgebindehauslandschaft sowie der in 776 Jahren gewachsenen Stadt Zittau mit vom genialen Karl Friedrich SCHINKEL geplanten Rathaus ein solcher Center-Angriff jemals zu befürchten sein würde… SCHINKEL hatte ja auch die Johanniskirche geplant. 1838 schrieb er in einem Briefe: „Die Ausführung ist so gelungen, daß ich bei meinem letzten Besuche in Zittau eine wahrhafte Freude darüber empfand.“
    Wer den verschrobenen Centerplan unterstützt, wird es nie auf einen Podest hoch oben im großartigen Bürgersaal des Zittauer Rathauses schaffen! Er kann bloß Schande ernten! Sinnbild für das unsinnige. monströse Center-Vorhaben könnte die Missgeburt eines struppigen, widerwärtigen Goldenen Kalbes mit zwei Köpfen sein!

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